Glaubens- und Verhaltensmuster ändern
6. Februar 2008, Claudia Windfelder)Heute widme ich mich dem ersten der vier Schritte von Tim Ferriss, der Definition.
Kurz noch vorab: Ich denke, dass sich die meisten Arbeitnehmer in Deutschland mittlerweile in dem stressigen Hamsterrad mit Job etc. befinden. Das erlebt man auch im Freundeskreis. Ein Teil davon stellt immerhin schon mal fest, dass er so nicht weitermachen will. Aber nur eine Minderheit denkt ernsthaft darüber nach, was sie tatsächlich aus ihrem Leben machen wollen. Und das könnten dann die „Neuen Reichen“ nach Tim Ferriss sein.
Schritt I: Definition
a) Für Ferriss beginnt jede Veränderung im Kopf. Dem kann ich zustimmen. „Alte“ Gedankenstrukturen und Muster müssen aufgelöst werden um für Neues Platz zu machen. Alte „Binsenweisheiten“ zu hinterfragen hält er für wichtig. Diese oft negativen Sprüche von Eltern, Familie, Lehrern etc. kennen ich und die meisten unter uns sicher nur zu gut.
Doch diese schon mal zu löschen oder in positive Gedanken zu verwandeln ist nicht so einfach, denn wir wurden ja schon Jahre damit geprägt. Je nachdem, in welchem Umfeld man aufgewachsen ist und jetzt lebt, ist es einfacher oder schwerer. Wie also kann man von den negativen Binsenweisheiten loskommen? Positive Gedanken formulieren und an den Badezimmerspiegel hängen?
b) Angst vor Veränderungen habe ich nicht, denn ich finde Neues immer spannend. Aber ich denke bei vielen Menschen, auch in meinem engen Freundeskreis behalten Personen trotz hoher Frustration ihren bisherigen Lebensstil bei. Vor allem bleiben sie oft in ihrem ungeliebten Job.
Eine Freundin von mir, die als gut bezahlte Sekretärin in einem großen Unternehmen arbeitet, ist völlig ausgelaugt, aber kann sich nicht vorstellen, zu kündigen, obwohl ihr Mann sehr gut verdient. Das sichere Einkommen, die finanzielle Eigenständigkeit bewahren, das ist ihr wichtig. Aber um welchen Preis?
Vielen Menschen fehlt einfach der Mut und vielleicht auch Verständnis und Unterstützung bei so einem Schritt. Wer statt Jobwechsel an die Selbstständigkeit denkt, ist es auch eine Frage des „Persönlichkeitstyps“, ob man sich das vorstellen kann und zutraut oder nicht.
Ich denke, auch der Begriff „Vernunft“ spielt bei der Veränderungs-Angst eine große Rolle. Aber was ist Vernunft? Ist Vernunft die Absicherung, die Sicht auf den monatlichen Gehaltseingang? Nur nicht aus der Rolle fallen? Sich täglich plagen? Oder heißt Vernunft nicht, auf sich, seine Gesundheit, seine Partnerschaft, soziale Kontakte zu blicken? Und die Dinge so zu gestalten, dass sie der eigenen Philosophie entsprechen? Und was lehren uns die Schule und die alten Binsenweisheiten dazu?
(Meine Eltern konnten damals nicht glauben, dass ich eine “sichere“ Stelle hinschmeiße – aber was ist heute noch sicher?)
c) System Reset: Außerdem ist für eine Veränderung des Lebensstils das Bewusstmachen dessen wichtig, was ich wirklich will. Das Problem der meisten Menschen ist, dass sie nicht wissen, was sie wollen. Auch die Antwort „glücklich sein“ ist Ferriss zu wenig. Er will wissen: „Was begeistert Dich?“, ganz unabhängig davon, was man zunächst damit verdienen kann. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man mit dem Thema, für das man „brennt“ auch Geld verdienen kann. Denn man ist auf dem Gebiet Experte.
Die Menschen im Hamsterrad definieren sich häufig über Materielles, kaufen oder leasen ein tolles Auto, haben zehn Armbanduhren zu Hause liegen, brauchen immer das neueste Handy… . Aber sie sehen nicht in sich hinein. Wer sie sein wollen, was sie tun wollen.
Das kenne ich auch von Bekannten: Was könnten denn die anderen denken? Man braucht dies und jenes als Statussymbol. Kurz gesagt: Definition über Äußerlichkeiten. Und wenn man bedenkt, dass man sich Glück ohnehin nicht kaufen kann, kann das ziemlich teuer werden.
Das greift Tim Ferriss auf und schlägt das „Dreamlining“ vor (Träume mit Termin setzen). Man soll sich also zu den Bereichen Haben, Tun und Sein die vier wichtigsten Träume überlegen und notieren was die Realisierung kostet. Dazu kommen noch die generellen monatlichen Ausgaben (Miete etc.). Damit ergibt sich der monatliche Geldbetrag (Ferriss: Zieleinkommen), der notwendig ist, um das „Traumleben“ mit Begeisterung führen zu können. Und es kostet durchaus weniger als das jetzige Hamsterrad mit den teuren Frustkäufen.
Das kann ich so nur bestätigen. Gerade am Anfang meiner Existenzgründung habe ich erst mal etwas investiert, Erspartes für den Lebensunterhalt hergenommen etc. Da musste ich eben auf neue Kleidung oder große Urlaube verzichten. Aber die Dinge, wie Spaß an der Arbeit, Selbstbestimmung, eigene Ideen umsetzen, die ich an der Selbstständigkeit schätze, waren und sind für mich Grund genug dabei zu bleiben. Die Selbstständigkeit ist für mich eine Art Lebensphilosophie.
So, mit diesen „schlauen“ Anregungen von Ferriss, die so mancher auch schon in anderen Büchern gelesen hat, geht es nun an die Umsetzung. Doch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass alte Glaubenssätze und Verhaltensmuster ganz schön hartnäckig sein können. So einfach vergessen ist da nicht drin.
Wer will, der kann sich für eine solche Veränderung auch einen Coach suchen, der ihn bei der Umsetzung begleitet. Oder vielleicht ein Erfolgsteam oder man gründet mit Leuten, die auch etwas verändern wollen, ein Team. Klare Ziele, Termine und Strukturiertheit sind auf jeden Fall hilfreich bei der Umorientierung.
Viele Grüße,
Claudia
Wie ist es Euch bei der Umsetzung der „Definition“ ergangen?
Am 6. Februar 2008 um 17:08 Uhr
Schöner Erfahrungsbericht!
Für mich war die “Definition” eigentlich gar nicht so schwierig. Ausgenommen vielleicht die Frage “Was begeistert Dich? Was versetzt Dich in helle Freude?” – ich bin eben doch schon ein bisschen auf Selbstzensur konditioniert, aber ein bisschen Kramen in der Erinnerung hat ziemlich schnell ein paar Träume ans Tageslicht gebracht!
Wirklich schwierig ist eher das Umfeld, sobald man selber Klarheit gewonnen hat – man braucht einiges an Standfestigkeit, um zu seiner “neu definierten” Existenz auch zu stehen. Wenn gute Freunde, Partner und Verwandte in festen Anstellungsverhältnissen arbeiten, fühlen sie sich von Ferriss Ideen leicht bedroht – ein lächelndes Kopfschütteln ist da noch eine milde Form der Missbilligung…
Letztlich “zieht” aber immer der Hinweis darauf, wie viele Leute aus dem Bekanntenkreis in den letzten Jahren ihren vermeintlich sicheren Job verloren haben. Es dürfte den meisten dann klar werden, dass der “Angestellte” ohne jedes Nebeneinkommen ein Auslaufmodell ist.
Gruß
Rolf
Am 7. Februar 2008 um 16:22 Uhr
Hallo Rolf,
meine Definition hatte ich im Nachhinein betrachtet in einem Seminar gemacht, dass mich sehr viel weiter gebracht hat. Dazu kam ich über das Buch “Durchstarten zum Traumjob” von Richard N. Bolles. Ganz anders als die “üblichen” Bücher zum Thema Job. Auch Seminare gibt es dazu an verschiedenen Orten in Deutschland. Ich war 2003 zum Seminar in Münster. Dort hatte man Raum und Zeit einfach zu träumen, was man wirklich gerne arbeiten möchte. Schnell klar war mir, dass ich selbstständig sein will, das Thema hat sich erst entwickelt. Und ich habe es noch keine Sekunde bereut. Für meine Entscheidung habe ich mir damals ganz bewusst rund zehn Monate gelassen.
Das Problem mit dem Umfeld habe ich so erlebt wie Du es beschrieben hast. Fast mein gesamter Freundeskreis hatte sich mit meiner Kündigung aufgelöst. Die Freunde konnten meinen Schritt nicht verstehen und ich wollte ich ewiges Gejammer über ihren Frustjob auch nicht mehr hören. Denn sie blieben tatenlos und man selbst ist so motiviert und will die Energie einfach nutzen.
Heute ist mein Freundeskreis ein ganz anderer. Darunter viele Selbstständige und Querdenker. Das macht richtig Spaß und gibt auch die Gewissheit, dass auch andere sich Gedanken über ein “Ausbrechen” aus dem stupiden Trott machen.
Viele Grüße,
Claudia