Tim Ferriss' Taktik gegen Stress und Reizüberflutung
14. März 2008, Claudia Windfelder)Heute möchte ich „Informationsdiät“ als weiteren Punkt der „Eliminierung“ aus Ferris Buch (jetzt auch auf deutsch ausführen.
Permanent werden wir von Informationen und Reizen überflutet. Aber was davon ist wirklich wichtig für uns? Probieren Sie nach Ferriss folgendes aus:
Selektive Ignoranz:
Ignoriere alle Infos und Unterbrechungen, die irrelevant und unwichtig sind.
Erfolgsstories:
Lesen Sie nur Autobiographien und Erfolgsgeschichten von erfahrenen Menschen. Nicht von Trittbrettfahrern.
Speed-Reading:
Sparen Sie Zeit durch Speed-Reading.
Medienfreie Woche:
Starten Sie schnellstmöglich eine Woche ohne Zeitung, Zeitschriften, Websites, TV, Bücher, Surfen im Internet.
Zur Unterstützung sollte man tun:
- Sich fragen, ob man die vorliegenden Information für etwas Wichtiges benötigt.
- Sich selbst erlauben, etwas nicht zu Ende zu führen (z. B. einen Artikel nicht zu Ende zu lesen).
Das sind auf jeden Fall gute und wirkungsvolle Anregungen. Ich selbst nehme verstärkt wahr, auf welchen unterschiedlichen Wegen uns eine Vielzahl an Infos zu erreichen versucht. Kaum etwas geht mehr ohne Reize.
Kein Radiosender mehr ohne Werbung, keine Zeitung ohne Beilagen, Mega-Leinwände in der U-Bahn…
Es wundert mich nicht, dass die Menschen “über-reizt” und dadurch so leicht reizbar und gestresst sind.
Dass Kinder “hyper-aktiv” sind und ein neues Krankheitsbild ins Leben gerufen wird, an dem die ganze Pharmaindustrie mit verdient. Ich erinnere mich an meine Kindheit: Der Wald, verwilderte Gärten, Baustellen und Spielplätze waren unsere Orte in der Freizeit. Ein paar wenige TV-Sendungen wie “Die Sendung mit der Maus”, “Löwenzahn” oder “Heidi” waren angesagt. Und da konnte man was lernen.
Als ich geschäftlich mal auf einer Schiffsbesichtigung war, wurden wir von einer Animateurin an Bord herumgeführt. Sie selbst äußerte, dass sie sich wundere, dass die Passagiere an Bord dauernd beschäftigt und animiert werden wollen und nur wenige sich mit sich selbst beschäftigen können.
Das glaube ich, gehört auch zu den Phänomenen unserer Zeit. Was tue ich, wenn es mal nichts zu tun gibt? Ich keine Verabredung habe, kein TV kucke?
Gerade bei Menschen, die permanent ihre Zeit verplant haben oder irgend etwas tun, kann man häufig feststellen, dass sie sich wenig mit sich selbst beschäftigen oder sogar vor sich „davon laufen“. – Mit sich selbst allein sein können heißt für mich auch, ein Stück weit zufrieden zu sein.
Ich selbst versuche mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Manchmal lasse ich mich aber auch gerne etwas ablenken. Wenn ich mir das dann bewusst mache, kann ich das sinnlose Tun beenden und dem Wesentlichen zuwenden.
Ich lese nur noch themenrelevante Zeitschriften für den Job oder auch mal privat. Hilfreich ist im Inhaltsverzeichnis zu kucken, ob überhaupt ein relevantes Thema dabei ist, bevor man statt dessen die ganze Zeitschrift blättert. Zeitschriftenabos habe ich erst keine.
Nachrichten sehe ich selten an. Dort wird ohnehin meist nur Negatives verbreitet. Dabei gibt es so viele schöne Seiten. Selbst die Fernsehzeitschrift haben wir abgeschafft.
Und die Tatsache, dass ich nichts vermisse, zeigt mir, dass es wohl nichts relevantes gibt, was ich noch wissen „muss“.
Als Angestellter wird es sicher etwas schwieriger, sich aus der Infoflut auszuklinken. Ich denke da an verstaubte Mappen, die von Abteilung zu Abteilung gereicht werden und man sein Häkchen “gelesen” dran machen soll. Zu irgend welchen Schulungen geschickt wird.
Für meinen jetzigen Job habe ich auch eine zeitlang gedacht, „alles“ wissen zu müssen. Wenn Kunden heute eine Frage haben, die ich nicht sofort beantworten kann, biete ich Ihnen einen Rückruf an.
Anfangs war ich auf allen möglichen Messen unterwegs, habe Seminare und Vorträge zum Thema Kreuzfahrten besucht. Aber ich merkte, dass das trotz hoher Motivation viel Kraft und Zeit kostete und auch Geld. Das habe ich abgeschafft. In der Zeit, die ich spare, eigne ich mir heute gezielt notwendiges Wissen im Büro aneignen.
Ein Bekannter sagte einmal: Wer wirklich wichtig ist, macht sich rar. Da ist was dran, oder?
Ein großer Zeitdieb unserer Zeit ist das Internet. Ich ertappe mich hin und wieder selbst dabei, wenn ich eine bestimmte Sache im Internet suche, dass ich von einer Seite zur nächsten klicke. Hier noch schnell nachsehen, da blättern. Und dann bin ich frustriert, dass drei Stunden ganz schnell vorbei sind, aber oft ohne Ergebnis.
Vor allem im Urlaub oder am Wochenende fällt mir immer wieder auf, wie intensiv man doch drei Stunden verbringen kann, wenn man nicht vor dem Rechner oder dem Fernseher sitzt.
Beim Thema „etwas zu Ende führen“ fällt es mir manchmal schwerer, vor allem bei Büchern. Dort habe ich oft den falschen Anspruch, es zu Ende lesen zu „müssen“, schließlich habe ich das Buch ja bezahlt. Und vielleicht kommt doch noch eine interessante Stelle.
Ich denke, das “Mehr” an Zeit, dass durch die Informationsdiät entsteht, bringt in mehreren Bereichen Positives mit sich: Weniger Reizüberflutung und Stress, mehr Zeit für das Wesentliche und wichtige Dinge, Zeit für unternehmerisches-strategisches Denken (Selbstständige) .
Was haltet Ihr von der Idee einer „Informationsdiät“ nach Tim Ferriss?
Viele Grüße von Claudia
Am 14. März 2008 um 14:12 Uhr
Sehr schöner Artikel, danke!
Ich muss gestehen, dass ich so eine Informationsdiät wohl nicht durchhalten würde… Im Urlaub noch eher, aber im Alltag? Ich kann zwar relativ leicht eine Woche fasten oder einen Monat lang keinen Alkohol trinken, aber komplett ohne Bücher, Internet, überhaupt ohne Medien würde ich nicht schaffen, obwohl ich überzeugt bin, dass es sehr heilsam und nützlich wäre.
Was ich mir aber vorstellen kann, ist eine Woche ohne eines der Medien, z.B. eine Woche ohne TV oder eine Woche ohne Zeitungen oder eine Woche ohne Blogs lesen. Oder wenn es sein muss: Ein Wochenende ohne Internet. Aber mehr?
Am 14. März 2008 um 14:30 Uhr
Hallo Ivan,
danke für Deinen Kommentar.
Ein Medium mal wegzulassen wäre doch ein Anfang. Wer weiß, was sich dann entwickelt, welches neue Hobby Du entdeckst? Und vielleicht tut es auch richtig gut.
Ein Beispiel, was vergleichbar ist: Mein Mann und ich sind “Nachteulen” und wir gingen lange Zeit jenseits von Mitternacht ins Bett. Unser ganzer Tagesrythmus war total verschoben. Jetzt haben wir vereinbart, spätestens um 0 Uhr im Bett zu sein. Wer später kommt, der muss einen vereinbarten Betrag in den gemeinsamen Topf geben. Und der täte weh. Bisher klappts recht gut.
Das kann man auch auf andere Bereiche anwenden, wenn man etwas ändern will.
Gruß, Claudia
Am 16. März 2008 um 12:34 Uhr
Wie bei den meisten “Diäten” scheint mir langfristig eher eine konsequente, vernünftige Informations-”Ernährung” besser zu sein als kurzfristige (verzweifelte?) Radikalkuren.
Am 17. März 2008 um 20:24 Uhr
Hallo Rolf,
das ist ein guter Hinweis. Eine grundlegende Veränderung des Informationskonsums ist sicher der sinnvollste Weg.
Kann mir aber vorstellen, dass so mancher anfänglich durch eine Info-Diät bemerken kann, dass z.B. TV oder Online-Games nicht fehlen und man Zeit hat für andere Dinge oder einfach für Entspannung, Freunde…
Hier ist es wohl an einem selbst, das Nicht-Vermissen / das sich entwickelnde, positive Lebensgefühl wahr zu nehmen und die Erfahrung für die Zukunft zu nutzen.
Beobachten, klar machen und Hinterfragen könnte ein Weg sein:
Z. B. im Urlaub habe ich im Hotel nicht das Bedürfnis, den Fernseher anzumachen. – Warum dann zu Hause?
Letztes Jahr haben wir in der Pfalz auf einer Hütte übernachtet, ganz ohne Handynetz. Das war einfach stressfrei und erholsam. – Warum nehme ich zu Hause das Handy mit wenn ich ausgehe?
In der Art könnte ich mir vorstellen, die eigenen Informationskonsum-Gewohnheiten zu überprüfen und die eingefahrenen Strukturen zu verändern.
Viele Grüße, Claudia
Am 30. März 2008 um 14:30 Uhr
Die selektive Ignoranz ist besonders interessant, wie ich finde. Ich dachte immer, man sollte so viel wie möglich aufnehmen. Woher weiß man denn, dass man die eine oder andere Information nicht irgendwann braucht?
Bei der einen oder anderen Person ist das sicherlich sinnvoll alle Infos aufzunehmen:)
Am 31. März 2008 um 13:48 Uhr
Hallo Tom,
ich dachte auch immer: So viel wissen wie möglich.
Aber irgendwann geht das nicht mehr habe ich für mich festgestellt. Die ganzen Infos und Reiz täglich kann man kaum mehr verarbeiten.
Ein paar Ideen, wie Du herausfinden kannst, was wichtig ist oder nicht:
Zeitungsartikel, Zeitschriften etc. was man so auf den Stapel legt und nie mehr anschaut. Und durchaus auch vergisst, das man das noch hat.
Dann war es wohl nicht so wichtig. Ich schmeiße dann in regelmäßigen Abständen einfach weg, was sich angesammelt hat.
Überleg Dir, was für einen Job, Themen die dich interessieren und Deine Freizeitinteressen so wichtig ist, dass Du es wissen “musst”.
Viele Infos kann man heute ja bei Bedarf im Internet abrufen. Oder man schneidet gezielt Infos aus Zeitschriften aus und legt sie ab. So mache ich das z. B. mit Anregungen für privaten Urlaub, Hotels.
Gut finde ich den Spruch, der sinngemäß lautet:
Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo man die Info findet, wenn man sie braucht.
Grüße von Claudia